Von der Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt

Sebastian Beckers (Bönders Logistics) und Kevin Klesper bei der Vertragsunterzeichnung

Es war ein besonderer Tag für einen Mitarbeiter der VARIUS Werkstätten – und für alle, die ihn auf seinem Weg begleitet haben: Nach zwei Jahren im Betriebsintegrierten Arbeitsplatz (BiAP) hat der 31-Jährige Kevin Klesper seinen Vertrag für einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz unterschrieben. Ein Moment voller Freude, Stolz und auch ein bisschen Aufregung – und eine Geschichte von Mut und Vertrauen.

Seit 2014 ist der junge Mann mit Beeinträchtigung Mitarbeiter der VARIUS Werkstätten. Er arbeitete mit großem Engagement in den Bereichen Garten- und Landschaftspflege sowie Holzbearbeitung – Tätigkeiten, in denen er seine Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickeln konnte. „Für uns zeigte sich schnell, hier ist jemand, der mehr kann und mehr möchte“, beschreibt Job-Coach der VARIUS Werkstätten Andreas Krah den aufgeschlossenen jungen Mitarbeiter, der durch den Werkstatt-internen Kurs sogar den Staplerführerschein machte. 

Der Schritt in den Betriebsintegrierten Arbeitsplatz bei der Firma Bönders Logistics im Jahr 2024 war der Anfang einer besonderen Reise für Kevin Klesper. Zwei Jahre lang konnte er dort zeigen, was in ihm steckt. Die Firma war von seiner Arbeit überzeugt – eine Übernahme in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis stand schon länger im Raum. Doch der Mitarbeiter selbst brauchte Zeit, um Vertrauen zu fassen und um zu spüren: Ja, ich schaffe das auch ohne die gewohnte Bindung zur Werkstatt.

Nun war es soweit. Mit seiner Unterschrift unter dem Bönders-Arbeitsvertrag beginnt ein neues Kapitel. Rückblickend auf seinen Weg sagt Kevin Klesper selbst: „Ohne alle in der Werkstatt hätte ich das nicht geschafft." Ein Satz, der zeigt, wie wichtig Unterstützung, Vertrauen und ein starkes Netzwerk sind. 

Ein Netzwerk, das trägt

Diese positive Entwicklung für Kevin Klesper – stellvertretend für viele Menschen, die über ihre Arbeit in Werkstätten auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden – trägt die Vielzahl an Menschen und Institutionen, die diesen Erfolg möglich machen. Es ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie wichtig gute Zusammenarbeit und ein starkes Netzwerk sind:

Fachkräfte der VARIUS Werkstätten aus verschiedenen Arbeitsbereichen haben den Mitarbeiter über Jahre hinweg gefördert und qualifiziert. Job-Coaches der Werkstatt standen ihm zur Seite und halfen bei der Orientierung. Der Integrationsfachdienst begleitete den Prozess professionell und sorgte für die notwendigen Rahmenbedingungen, während der LVR im Rahmen eines themenbezogenen Modell-Projektes beratend zur Seite stand. Als Arbeitgeber bewies das Unternehmen Bönders Logistics Offenheit, Geduld und echtes Interesse an Inklusion – und gab dem Mitarbeiter die Zeit und Unterstützung, die er brauchte. Der Erfolg für Kevin Klesper ist das Ergebnis von vielen Gesprächen, gemeinsamen Überlegungen, gegenseitigem Vertrauen und dem festen Glauben daran, dass Inklusion funktioniert – wenn alle zusammenarbeiten.

 „Genau das macht unsere Arbeit aus"

Für Andreas Krah, Integrationsfachdienst der VARIUS Werkstätten und Job-Coach von Kevin Klesper, ist die Vertragsunterzeichnung besonders: „Genau das macht unsere Arbeit aus: Diese Erfolge für Mitarbeiter anzustoßen und zu begleiten. Es sind Momente wie diese, die zeigen, warum die Arbeit in der Werkstatt so wertvoll ist – weil sie Menschen dabei unterstützt, ihre Ziele zu erreichen und neue Perspektiven zu eröffnen.“ Dabei ist jede Vermittlung für das Team des Fachbereichs Integration der VARIUS Werkstätten ein positives Resultat ihrer Arbeit. "Jedes Jahr können wir mindestens drei Mitarbeitende in ein sozialversicherungspflichtiges Verhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt vermitteln”, beschreibt Andreas Krah. Das ist ein toller Erfolg. 

Inklusion im Arbeitsleben

Auch auf Seiten des Arbeitgebers ist die Freude groß. Sebastian Beckers, Betriebsleiter von Bönders Logistics in Grevenbroich, betont: „Wir waren von Anfang an offen für einige Kooperationen mit der Werkstatt und arbeiten sehr gut zusammen. Daher freut es uns sehr, dass sich Herr Klesper für die Einstellung bei uns entschieden hat. Er ist jetzt ein Teil der Bönders-Familie und wir heißen ihn herzlich willkommen."

Diese Worte zeigen, was Inklusion in der Praxis bedeutet: echte Offenheit, gelebte Zusammenarbeit und die Bereitschaft, Menschen eine Chance zu geben – und sie als vollwertige Teammitglieder zu empfangen.

Betriebsintegrierte Arbeitsplätze: Brücken in ein selbstbestimmtes Arbeitsleben

Betriebsintegrierte Arbeitsplätze (BiAPs) sind mehr als nur eine Beschäftigungsmöglichkeit. Sie sind Brücken zwischen der geschützten Umgebung der Werkstatt und dem ersten Arbeitsmarkt. Sie bieten Menschen mit Behinderung die Chance, ihre Fähigkeiten in einem regulären Betrieb unter Beweis zu stellen, ohne die Sicherheit und Unterstützung der Werkstatt sofort vollständig aufgeben zu müssen.

Diese Brücke ist wertvoll, für den Betrieb wie auch für den Werkstatt-Mitarbeiter. Dieser kann in einem BiAP in Ruhe ankommen, Vertrauen aufbauen und Erfahrungen sammeln – und vielleicht schließlich den Mut fassen, den entscheidenden Schritt in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu gehen. Genau dafür sind BiAPs da – um Menschen zu zeigen: Probiere es aus. Du kannst das. Und wir sind für dich da.

Ein Erfolg, der Mut macht

Es war ein Tag zum Feiern. Für Kevin Klesper, der einen großen Schritt in sein neues Arbeitsleben gewagt hat. Für die Firma Bönders Logistics, die einen engagierten und zuverlässigen Mitarbeiter gewonnen hat. Und für alle Beteiligten, die bewiesen haben, dass Inklusion keine Utopie ist, sondern gelebte Realität werden kann.

Wir sind stolz auf unseren Kollegen und wünschen ihm alles Gute für seinen weiteren Weg. Gleichzeitig danken wir allen, die diesen Weg möglich gemacht haben.