Förderprojekt des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)

„Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ für VARIUS Werkstätten

Mit einer Förderung des BMUV* in Höhe von knapp 500.000 Euro können die VARIUS Werkstätten die Betriebsstätte Hemmerden II (Daimlerstraße) im Sinne der Klimaanpassung sanieren. Neben einigen "grauen" Maßnahmen wie einem neuen Dach zum Schutz der Mitarbeitenden vor Hitze, werden auch "grüne" Maßnahmen wie die Entsiegelung von Flächen und der Verschattung des Außenbereiches durch Bäume durchgeführt.

Sanierungsabschluss

Mehr Schutz vor Hitze und Starkregen: Das Förderprojekt verbessert die Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderung und ist ein Vorbild für soziale Einrichtungen.

März 2026

Das Klimaanpassungsprojekt der VARIUS Werkstätten konnte mit baulichen und naturbasierten Veränderungen erfolgreich abgeschlossen werden. Im Rahmen des Bundesförderprogramms zur Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen hat die Betriebsstätte der VARIUS Werkstätten der Lebenshilfe Rhein-Kreis Neuss gGmbH am Standort Daimlerstraße umfassende Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels umgesetzt. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Menschen mit Behinderung vor den Folgen der Klimakrise und dient als Vorbild für andere soziale Einrichtungen. Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesministerium für für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).

Zwei Schritte beinhaltete das Förderprogramm des Bundesministeriums für für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“: Ein umfassendes Klimaanpassungskonzepts mit Empfehlungen für Maßnahmen zur energetischen Verbesserung sämtlicher Betriebsstätten und Gebäude der VARIUS Werkstätten war zunächst die Grundlage der Überlegungen und Entscheidungen, welche Maßnahmen in einem zweiten Schritt umgesetzt werden sollen. „Wir haben abgewägt und die Förderung für die Sanierung der Betriebsstätte Daimler Straße beantragt“, erklärt Alexander Jürgens, Geschäftsführer der VARIUS Werkstätten in Grevenbroich. Ziel des Projektes der Klimaanpassung war es, die Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen für Menschen mit Behinderung nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig Hitze, Trockenheit und Starkregen wirksam zu begegnen. „Mit der Kombination aus baulicher Sanierung und naturbasierten Lösungen schaffen wir dauerhaft bessere Arbeitsbedingungen für unsere Beschäftigten. Gerade für sie ist ein stabiles, gesundes Raumklima kein Komfort, sondern eine wichtige Voraussetzung für Teilhabe am Arbeitsleben“, erklärt Alexander Jürgens. Ausgangspunkt waren klimatische Defizite am Standort: Eine unzureichende Dachdämmung führte zu starker sommerlicher Überhitzung, veraltete Glasdachflächen boten nur geringe Isolations- und Belüftungsmöglichkeiten, natürliche Verschattung fehlte nahezu vollständig und großflächig versiegelte Außenflächen verstärkten die Hitzeentwicklung zusätzlich. Gerade für Menschen mit Behinderung, als besonders vulnerable Personengruppe, bestand dringender Handlungsbedarf.

„Graue Maßnahmen“ am Dach der Betriebsstätte

Im Bereich der baulichen Sanierung wurde das Dach vollständig erneuert. Die vorhandenen Tondachziegel wurden zurück gebaut, die Dachfläche neu isoliert und abgedichtet. Zusätzlich wurden die Glasdachflächen umfassend modernisiert. Das neue Oberlichtband-System mit Dreifachverglasung, Sonnenschutzglas und weißem Siebdruck, sorgt für eine hervorragende Wärmedämmung im Winter, während der reduzierte Gesamtenergiedurchlass den Wärmeeintrag im Sommer deutlich begrenzt. Gleichzeitig ermöglicht es eine angenehme Tageslichtversorgung und reduziert den Bedarf an künstlicher Beleuchtung. Ergänzt wurde die Dachsanierung durch ein automatisiertes Lüftungssystem mit elektrisch gesteuerten Lüftungsflügeln. Dieses ermöglicht eine effiziente natürliche Belüftung, schnellen Wärmeaustrag in Hitzeperioden sowie eine effektive Nachtauskühlung des Gebäudes. Dadurch kann weitgehend auf energieintensive Klimatisierung verzichtet werden.

Außenanlagen verbessern Versickerung und geben natürlichen Schatten

Parallel wurden umfangreiche „grüne Maßnahmen“ an den Außenanlagen umgesetzt. Versiegelte Flächen wurden zurück gebaut und durch klimaresistente Baum- und Pflanzenstrukturen ersetzt. Spalierlinden dienen heute als natürlicher Sicht- und Sonnenschutz an der Gebäuderückseite, eingebettet in stark versickerungsfähiges Vulkansubstrat aus der Eifel und eingefasst mit zurück gebauten Steinen. Amberbäume sorgen entlang des verkürzten Parkplatzbereichs für Verschattung des Speiseraums. Zusätzlich wurden wärmeresistente Baumarten wie der Persische Eisenholzbaum integriert. Im Innenhof verbessern neue Begrünungsstrukturen und mobile Heckenmodule die Aufenthaltsqualität. Die Garten- und Landschaftsbauarbeiten wurden durch das Inklusionsunternehmen der Lebenshilfe Rhein-Kreis Neuss, TeamWerk, geplant und umgesetzt. 

Möglich war die Umsetzung der gesamten Maßnahmen durch die Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. „Wir verstehen das Projekt auch als Signal: Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen ist möglich, sinnvoll und notwendig. Wenn wir als soziale Einrichtung hier vorangehen, kann das auch für andere Einrichtungen ein wichtiger Impuls sein“, betont Geschäftsführer Alexander Jürgens. 

Sanierungsfortschritt

Maßnahmen und Veränderungen im Sinne der Klimaanpassung für die Betriebsstätte Daimler Straße der VARIUS Werkstätten

15. Juli 2025

Seit dem 23. Juni 2025 laufen die baulichen Maßnahmen im Rahmen des Klimaanpassungsprojektes an der VARIUS Betriebsstätte Daimlerstraße. Begonnen wurde mit der Sanierung der Dachfläche. Wichtig war, während der Arbeiten den Betrieb in den Werkstätten aufrecht zu erhalten. Zurückgebaut wurden zunächst die bestehenden Glasdachflächen, die wenig isoliert und wenig lichtdurchlässig waren und nur schwierig zur Belüftung geöffnet werden konnten. „Mit der Firma INDU LIGHT haben wir eine auf Glasdachbau spezialisierte Firma gefunden, die individuelle, nachhaltige und klimaeffiziente Lösungen anbietet“, sagt Christof Lassak, Technischer Leiter der VARIUS Werkstätten. Er hat mit Manfred Engels einen erfahrenen Projektleiter an seiner Seite. „Hier war uns wichtig, dass die Glasdachflächen nicht alleine wärmedämmend sind und guten Sonnenschutz bieten. Gleichzeitig wollten wir eine Lösung haben, die einen nahezu gleichbleibenden Tageslichteintrag bietet“, betont Engels. So wurde nun ein spezielles Sonnenschutzglas mit weißem Siebdruck und Dreifachverglasung verbaut. Das Glas vermindert die Wärmeentwicklung gegenüber der alten Standard Isolierverglasung enorm und bietet zeitgleich einen ausgewogenen Wärmeschutz im Winter sowie neutrales Tageslicht.  Ebenso werden elektrisch betriebene Lüftungsflügel eingebaut.  
„Zum Ende der Woche werden die Glasdacharbeiten soweit abgeschlossen sein, so dass dann der Dachdecker beginnen kann“, bestätigt Manfred Engels. Dafür konnte die Grevenbroicher Firma Kilic beauftragt werden. Die bestehenden Tondachziegel werden nach und nach abgenommen und durch neue ersetzt. Dabei wird die Dachfläche neu isoliert und abgedichtet.


* Titel des Vorhabens: AnpaSo FSP 2: Umsetzung des Klimaanpassungskonzeptes der VARIUS Werkstätten Lebenshilfe Rhein-Kreis Neuss gGmbH
Laufzeit des Vorhabens: bis 11/2025
Beteiligte Partner*innen: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) , Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) GmbH
Förderkennzeichen 67APS1212
Förderprogramm: Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen
Förderschwerpunkt: 1 „Beratung und Erstellung von Konzepten zur Anpassung an die Klimakrise“ der Förderrichtlinie Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen in der Fassung vom 30.10.2020
Ziel des Vorhabens: Umsetzung von vorbildhaften, investiven Klimaanpassungsmaßnahmen in der sozialen Einrichtung VARIUS Werkstätten Betriebsstätte Hemmerden 2 für die VARIUS Werkstätten Lebenshilfe Rhein-Kreis Neuss gemeinnützige GmbH

Ihr Ansprechpartner

Manfred Engels

Technischer Leiter